Sigmund Goeritz AG

 1882 - 1938

Beschreibung

Der Kaufmann Sigmund Goeritz (1856-1920), dessen jüdische Familie aus der Provinz Westpreußen stammt, betreibt gemeinsam mit Partnern ein Geschäft für Strumpfwaren und Stoffhandschuhe. Aus der 1882 gegründeten Handelsfirma entwickelt sich ab 1899 ein Textilhersteller für Untertrikotagen, später auch Bademoden. Die Sigmund Goeritz OHG erwirbt um 1910 Fabrikgebäude an der Zwickauer Straße, wo zeitgleich auch die Teppichfabrik Oscar Kohorn produziert, und lässt einen viergeschossigen Fabrikbau errichten. Erich Goeritz wandelt die Trikotagenfabrik 1921 in eine Aktiengesellschaft um und entwickelt sie zum führenden deutschen Damenwäscheproduzenten (Unterwäsche, Bademode, Blusen) mit dem Label „Venus“. 1926 erhält der Architekt Hans Poelzig (1869-1936) den Auftrag für einen Eisenbetonskelettbau mit vorgeblendeter Bruchsteinfassade. Geplant ist ein stufenweiser Ausbau der Fabrik, ein „Festbau der Arbeit“. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise und der Verdrängung jüdischer Unternehmer durch den NS-Staat bleibt der Bau unvollendet. 1938 wird die Familie Goeritz gezwungen, ihre Aktien weit unter Wert an die Deutsche Bank zu verkaufen. Die Firma wird „arisiert“. Seit 1940 wird der Betrieb als Venus Werke Wirkerei und Strickerei AG geführt. Nur wenigen Familienmitgliedern gelingt die Flucht.

Erzeugnisse

Untertrikotagen, Textilindustrie, Trikotagen, Unterwäsche, Bademoden

Autor(en): Gisela Strobel

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